Sicherheitshinweise

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EG-Sicherheitsdatenblatt
Stickstoff, tiefgekühlt, flüssig, BIOGON N flüssig

1 STOFF/ZUBEREITUNGS- UND FIRMENBEZEICHNUNG
Produktname
Stickstoff, tiefgekühlt, flüssig
BIOGON N flüssig
Handelsname
Gasart 220 Stickstoff Flüssig
Gasart 221 Stickstoff 5.0 Flüssig
Gasart 223 BIOGON N Flüssig
Gasart 225 Stickstoff MEGA Flüssig
Gasart 226 Stickstoff LI-PUR
Chemische Formel N2
Bekannte Verwendungszwecke
Nicht bekannt.
Hersteller/Lieferant
Linde AG, Gas und Engineering, Geschäftsbereich Linde Gas
Seitnerstraße 70, D-82049 Pullach
NOTRUF-NUMMER: 089-7446-0

2 ZUSAMMENSETZUNG/ANGABEN ZU BESTANDTEILEN
Stoff/Zubereitung: Stoff
Zusammensetzung/Information über Bestandteile
CAS-Nr.: 7727-37-9
EG-Nr. (EINECS): 231-783-9
Enthält keine anderen Komponenten oder Verunreinigungen, die die Einstufung dieses Produktes beeinflussen.

3 MÖGLICHE GEFAHREN
Einstufung
Erstickend in hohen Konzentrationen.
Gefahrenhinweise für Mensch und Umwelt
Tiefkalt verflüssigtes Gas. Kontakt mit dem Produkt kann Kaltverbrennungen bzw. Erfrierungen verursachen.
Kann in hohen Konzentrationen erstickend wirken.

4 ERSTE-HILFE-MAßNAHMEN
Einatmen
Hohe Konzentrationen können Ersticken verursachen. Symptome können Verlust der Bewegungsfähigkeit und des Bewußtseins sein. Das Opfer bemerkt das Ersticken nicht. Das Opfer ist unter Benutzung eines umluftunabhängigen Atemgerätes in frische Luft zu bringen. Warm und ruhig halten. Arzt hinzuziehen. Bei Atemstillstand künstliche Beatmung.
Haut- und Augenkontakt
Die Augen sofort mindestens 15 Minuten mit Wasserspülen. Bei Kaltverbrennungen mindestens 15 Minuten mit Wasser spülen.
Steril abdecken. Arzt hinzuziehen.
Verschlucken
Verschlucken wird nicht als möglicher Weg der Exposition angesehen.

5 MAßNAHMEN ZUR BRANDBEKÄMPFUNG
Spezielle Risiken
Einwirkung von Feuer kann Bersten / Explodieren des Behälters verursachen. Nicht brennbar.
Gefährliche Verbrennungsprodukte
Keine
Geeignete Löschmittel
Alle bekannten Löschmittel können benutzt werden.
Spezielle Verfahren
Wenn möglich, Gasaustritt stoppen. Behälter entfernen oder mit Wasser aus geschützter Position kühlen.
Spezielle Schutzausrüstung für die Feuerwehr
In geschlossenen Räumen umluftunabhängiges Atemgerät benutzen.

6 MAßNAHMEN BEI UNBEABSICHTIGER FREISETZUNG
Personenbezogene Vorsichtsmaßnahmen
Gebiet räumen. Schutzkleidung benutzen. Beim Betreten des Bereiches umluftunabhängiges Atemgerät benutzen, sofern nicht die Ungefährlichkeit der Atmosphäre nachgewiesen ist.
Umweltschutzmaßnahmen
Eindringen in Kanalisation, Keller, Arbeitsgruben oder andere Orte, an denen die Ansammlung gefährlich sein könnte, verhindern.
Versuchen, den Produktaustritt zu stoppen.
Reinigungsmethoden
Den Raum belüften.

7 HANDHABUNG UND LAGERUNG
Handhabung und Lagerung
Eindringen von Wasser in den Gasbehälter verhindern. Nur solche Ausrüstung verwenden, die für dieses Produkt und den vorgesehenen Druck und Temperatur geeignet ist. Im Zweifelsfall den Gaselieferanten konsultieren. Behälter bei weniger als 50°C an einem gut gelüfteten Ort lagern.
Technische Regeln Druckgase (TRG) 280 Ziffer 5 beachten.

8 EXPOSITIONSBEGRENZUNG UND PERSÖNLICHE SCHUTZAUSRÜSTUNG
Persönliche Schutzmaßnahmen
Augen, Gesicht und Haut vor Flüssigkeitsspritzern schützen.
Angemessene Lüftung sicherstellen.

9 PHYSIKALISCHE UND CHEMISCHE EIGENSCHAFTEN
Allgemeine Angaben
Aussehen: Farblose Flüssigkeit
Geruch: Geruchlos.
Wichtige Angaben zum Gesundheits- und Umweltschutz sowie zur Sicherheit
Molare Masse: 28 g/mol
Schmelzpunkt: -210 °C
Siedepunkt: -196 °C
Kritische Temperatur: -147 °C
Zündtemperatur: Nicht zutreffend.
Explosionsgrenzen (Vol.% in Luft): Nicht zutreffend.
Relative Dichte, gasf. (Luft=1): 0,97
Relative Dichte, flüssig (Wasser=1): 0,8
Löslichkeit in Wasser (mg/l): 20 mg/l
Maximaler Fülldruck (bar): 300 bar
Sonstige Angaben
Gas/Dämpfe sind schwerer als Luft. Sie können sich in geschlossenen Räumen ansammeln, insbesondere am Fußboden oder in tiefergelegenen Bereichen.

10 STABILITÄT UND REAKTIVITÄT
Stabilität und Reaktivität
Stabil unter normalen Bedingungen. Auslaufende Flüssigkeit kann zum Verspröden von Konstruktionsmaterialien führen.

11 TOXIKOLOGISCHE INFORMATIONEN
Allgemeines
Toxikologische Wirkungen des Produktes sind nicht bekannt.

12 ANGABEN ZUR ÖKOLOGIE
Allgemeines
Kann den Pflanzenwuchs durch Frost schädigen.

13 HINWEISE ZUR ENTSORGUNG
Allgemeines
Nicht in die Kanalisation, Keller, Arbeitsgruben und ähnliche Plätze, an denen die Ansammlung des Gases gefährlich werden könnte, ausströmen lassen. Rückfrage beim Gaselieferanten, wenn eine Beratung nötig ist.
EAK Nr. 16 05 01

14 ANGABE ZUM TRANSPORT
ADR/RID
Klasse 2
Klassifizierungscode 3A
Kennzeichnungsnummer und Bezeichnung
UN 1977 Stickstoff, tiefgekuehlt, fluessig
UN 1977 Nitrogen, refrigerated, liquid
Gefahrzettel 2.2
Gefahrnummer 22
Verpackungsanweisung P203

IMDG
Klasse 2.2
Kennzeichnungsnummer und Bezeichnung
UN 1977 Nitrogen, refrigerated, liquid
Gefahrzettel 2.2
Verpackungsanweisung P203
EmS FC,SV

IATA
Klasse 2.2
Kennzeichnungsnummer und Bezeichnung
UN 1977 Nitrogen, refrigerated, liquid
Gefahrzettel 2.2
Verpackungsanweisung P202
Weitere Transport-Informationen
Der Fahrer muß die möglichen Gefahren der Ladung kennen und er muß wissen, was bei einem Unfall oder Notfall zu tun ist. Ausreichende Lüftung sicherstellen. Möglichst nicht in Fahrzeugen transportieren, deren Laderaum nicht von der Fahrerkabine getrennt ist. Gasbehälter vor dem Transport sichern. Geltende Vorschriften beachten.

15 VORSCHRIFTEN
Nummer in Anhang I der Direktive 67/548
In Anhang I nicht genannt.
EG-Einstufung
Nicht als Gefahrstoff klassifiziert.
Kennzeichnung
- Symbole
Kein Symbol erforderlich.
- Hinweise auf die besonderen Gefahren
RAS – Erstickend in hohen Konzentrationen.
- Sicherheitsratschläge
S23 – Gas nicht einatmen.
S36/37/39 – Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe und Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen.
S9 – Behälter an einem gut gelüfteten Ort aufbewahren.
Wassergefährdungsklasse
Nicht wassergefährdend nach VwVwS vom 17. 5. 99.
TA-Luft
Nicht eingestuft nach TA-Luft.

16 SONSTIGE ANGABEN
Alle nationalen/örtlichen Vorschriften beachten. Das Risiko des Erstickens wird oft übersehen und muß bei der Unterweisung der Mitarbeiter besonders hervorgehoben werden. Bevor das Produkt in irgendeinem neuen Prozeß oder Versuch benutzt wird, sollte eine sorgfältige Studie über die Materialverträglichkeit und die Sicherheit durchgeführt werden.
Hinweise
Die Angaben sind keine vertraglichen Zusicherungen von Produkteigenschaften. Sie stützen sich auf den heutigen Stand der Kenntnisse.
Weitere Informationen
Linde Sicherheitshinweise
Nr. 1 – Umgang mit tiefkalt verflüssigten Gasen
Nr. 3 – Sauerstoffmangel
Nr. 7 – Sicherer Umgang mit Gasflaschen und Flaschenbündeln
Nr. 11 – Transport von Gasbehältern mit Kfz





Sicherheitshinweise.
16– Umgang mit tiefkalt verflüssigtem Stickstoff in
ortsbeweglichen Kryobehältern.

Vorbemerkung
Tiefkalt verflüssigter Stickstoff (LIN = liquid nitrogen) wird häufig in ortsbeweglichen Kryobehältern transportiert und gelagert. Das sind sowohl verschließbare, für inneren Überdruck geeignete Druckgasbehälter wie auch offene, drucklos betriebene Dewargefäße. Zur Vermeidung von Unfällen beim Umgang mit ortsbeweglichen LIN-Kryobehältern müssen bestimmte Eigenschaften des tiefkalt verflüssigten Stickstoffs beachtet und entsprechende Schutzmaßnahmen realisiert werden.

1. Eigenschaften von LIN – Gefahren und Schutzmaßnahmen

1.1 Kälte
Tiefkalt verflüssigter Stickstoff hat eine Temperatur von ca. -196°C (Siedepunkt bei einem Umgebungsdruck von 1 bar absolut).

Gefahren:
a) Wenn die tiefkalte Flüssigkeit auf die menschliche Haut trifft, können Erfrierungen („Kaltverbrennungen“) entstehen. Großflächige Erfrierungen sind lebensbedrohend.

b) Einige Werkstoffe vermindern bei tiefen Temperaturen ihre Dehnbarkeit und Zähigkeit, d.h. sie verspröden und können brechen und sind damit für LIN nicht geeignet.
Werkstoffe, die durch LIN abgekühlt werden, schrumpfen. Wenn ein sich abkühlender Gegenstand fest eingespannt ist, wird jedoch die Schrumpfung behindert. In diesem Fall kann der Werkstoff zerreißen.

c) An Anlagenteilen, die LIN enthalten und nicht isoliert sind (z.B. Rohrleitungen an LIN-Tanks) kondensiert Luft. Im abtropfenden Kondensat reichert sich – durch Wiederverdampfung des Stickstoffanteils – Sauerstoff an. Wenn dieses sauerstoffreiche Kondensat in einen brennbaren Feststoff (z.B. Holz oder
organisches Isoliermaterial) eindringt, entsteht erhöhte Brandgefahr.

Schutzmaßnahmen:
Beim direkten Umgang mit LIN (z.B. Abfüllen) ist persönliche Schutzausrüstung (körperbedeckende trockene Kleidung, geschlossene Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Schutzbrille) zu benutzen.

Kryobehälter mit LIN sind so zu tranportieren, daß sie nicht umfallen oder herabfallen können Ladungssicherung ist bei jedem Transport erforderlich.

Gerätschaften, die für den direkten Umgang mit LIN bestimmt sind, müssen aus kältebeständigem Material (z.B. nichtrostender, austenitischer Stahl = „Edelstahl“, Kupfer, Aluminium) bestehen. Organische Materialien, wie Holz, Plastik, Gummi sind ungeeignet.

LIN sollte nicht auf Betonfußboden auslaufen, weil Beton durch die Kälte zerstört wird. Im Bereich einer Füllstelle kann der Fußboden mit einer Wanne aus Edelstahl geschützt werden, in der abtropfendes LIN aufgefangen wird und verdampft.

Der Fußboden unter nicht isolierten LIN-Anlagenteilen muß aus unbrennbarem Material bestehen, um Brandgefahr infolge Sauerstoffanreicherung auszuschließen.

1.2. Druck
LIN nimmt unvermeidlich Wärme aus der Umgebung auf und geht dabei in den gasförmigen Zustand über.

Gefahren:
Die Verdampfung von LIN unter Einschluß führt zu einem Druckanstieg. Wenn der Druck nicht entspannt wird, kann das betreffende Anlagenteil bersten.

Schutzmaßnahmen:
Kryobehälter, auf denen keine Angabe des zulässigen inneren Überdrucks vorhanden ist, dürfen nur drucklos befüllt werden. Die Füll-Leitung (Schlauch, Rohr) muß lose in die Behälteröffnung eingeführt werden und der flüssige Stickstoff muß frei in den Behälter ausfließen. Die Einfüllöffnung oder eine zweite Öffnung muß beim Füllen teilweise offen bleiben, damit der verdampfende Stickstoff entweichen kann.

Drucklose Behälter, die LIN enthalten, dürfen nur mit einem lose aufliegenden Deckel oder Stopfen verschlossen werden, so daß der Druckausgleich mit der
freien Atmosphäre möglich ist.

Kryobehälter, die für inneren Überdruck geeignet sind, haben eine entsprechende Kennzeichnung. Sie werden in der Regel durch eine fest angeschraubte Leitung befüllt. Der Vordruck, mit dem die Flüssigkeit dem Kryobehälter zugeführt wird, darf den zulässigen inneren Überdruck nicht überschreiten.

In Kryobehälter mit LIN darf kein Wasser gelangen, damit kein Verschluß durch Eispropfen entsteht.

Absperrbare Rohrleitungsabschnitte mit LIN müssen ein Sicherheitsventil haben.

LIN sollte nicht in größeren Mengen ins Erdreich gelangen. Der verdampfende Stickstoff kann durch Eisbildung im Erdboden eingeschlossen werden und sich möglicherweise explosionsartig entspannen.

1.3. Sauerstoffmangel
Beim Verdampfen entstehen aus 1 Liter LIN ca. 700 Liter gasförmiger Stickstoff.

Gefahren:
Durch Anreicherung von Stickstoff in der Luft vermindert sich die Sauerstoffkonzentration, d.h. Sauerstoffmangel kann entstehen, der mit den menschlichen Sinnesorganen nicht feststellbar ist. Personen, die sich in sauerstoffarmer Atmosphäre (weniger als 17 Vol.-% O2) aufhalten, können ohne Vorwarnung und sehr schnell bewußtlos werden und ersticken. Dieses Risiko tritt im Freien nur selten auf. In Räumen mit LIN-Anlagen, insbesondere mit offenen Kryobehältern, muß diese Gefahr jedoch beachtet werden.

Schutzmaßnahmen:
Mit LIN gefüllte Kryobehälter dürfen nur in Fahrzeugen befördert werden, wenn
• sie für den Straßentransport zugelassen sind,
• sie im fahrzeug gegen Umfallen gesichert sind,
• der Laderaum offen ist oder be- und entlüftet wird.

Räume mit LIN-Kryobehältern müssen ausreichend be- und entlüftet sein. Technische Lüftung mit definierten Zu- und Abluftströmen ist zu bevorzugen. Die Abluftöffnungen müssen im unteren Raumteil angeordnet werden, da verdampfender Stickstoff kalt und schwerer als Luft ist und sich deshalb vorrangig am Fußboden ausbreitet. Zu- und Abluftöffnungen dürfen nicht verschlossen werden. Die Räume können mit einer automatischen Warneinrichtung für Sauerstoffmangel ausgerüstet werden, deren Sensoren im unteren Raumteil anzuordnen sind. Alternativ kann man die Mitarbeiter mit tragbaren Sauerstoffmangel-Warngeräten ausstatten. Die Entscheidung für derartige Warneinrichtungen ist in Abhängigkeit von den örtlichen und betrieblichen Gegebenheiten zu treffen.

2. Abfüllen von LIN
Das Abfüllen von LIN in Kryobehälter muß, soweit es nicht automatisch erfolgt permanent überwacht und rechtzeitig beendet werden, so daß keine Flüssigkeit in den Raum oder ins Freie ausläuft. Das Abfüllen kann durch eine Sicherheitsschaltung, bestehend aus einem Totmannschalter und einem Magnetventil in der Fülleitung, gesteuert werden. Das Magnetventil gibt den Zufluß von LIN zu dem Kryobehälter nur frei, solange der Totmannschalter in regelmäßigen Intervallen gedrückt wird. Stationär verwendete Kryobehälter können eine automatische Füllstandsregelung haben, die ein Überfüllen sicher verhindert.

Für das Abfüllen muß eine schriftliche Betriebsanweisung des Arbeitgebers vorhanden sein, die Hinweise enthält über den sicheren Umgang mit LIN und das Vermeiden von Gefahren und Gesundheitsrisiken. Beim Erstellen der Betriebsanweisung ist die Betriebsanleitung des Herstellers der Kryobehälter zu
berücksichtigen. Diese enthält Hinweise über den bestimmungsgemäßen Einsatz und die ordnungsgemäße Instandhaltung der Kryobehälter. Mitarbeiter, die LIN abfüllen, müssen über die Inhalte der Betriebsanweisung und der Betriebsanleitung belehrt worden sein.


Diese Veröffentlichung entspricht dem Stand des technischen Wissens zum Zeitpunkt der Herausgabe. Der Verwender muß die Anwendbarkeit auf seinen
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